Was hältst Du von den Vätermonaten?








Poll plugin by MMG

Dezember 07 Teil 1

Kommentare zu diesem Blog

15.12.07

FORTSETZUNG vom 14.12.07 ... zwei kalte, leblose Augen starren ihn (also den Vater) aus einem pelzigen Gesicht gierig an. Aus dem Mund oder eher Maul ragen riesige Zähne. Langsam schiebt sich ein blasser Vollmond aus seinem Wolkenmantel hervor und weckt unheilvolle Gedanken an Werwölfe und anderes Getier. Wie eine Furie rast das Monster rastlos durch das Kinderzimmer.
Bei Licht betrachtet, liegt Karlchen putzmunter in seinem Bett, hat ein Bein seines Plüsch-Hasen-Freundes fest im Griff und schleudert ihn hin und her, so wie es Obelix immer mit den Römern macht.
Tja, Freunde! Dass gute Freunde niemand trennen kann, das hat auch der Beckenbauer Franz schon vor vielen Jahren gewusst, und Karlchen hat auch schon einige gute Freunde. Ich würde sagen, ganz oben auf der Liste steht der Staubsauger. Den besucht er bei jedem seiner Ausflüge ins Schlafzimmer, wo das Gerät hinter der Tür steht. Dann kommt entweder der besagte Hase oder die Waschmaschine, die hat aber nur eine Chance, wenn sie in Betrieb ist. Platz drei belegt dann wahrscheinlich der Joshua aus der Krabbelgruppe. Aber diese Rangfolge ändert sich täglich.

14.12.07

Schon mal Angst gehabt? Mitten in der tiefsten Nacht, dunkle Wolken gruppieren sich dramatisch um einen hinter Nebelschleiern nur schemenhaft erkennbaren Mond, zerreisst plötzlich ein gellender Schrei die Stille. Der Vater stürzt schlaftrunken aus dem Bett, rennt ans Kinderbett, doch was er dort sieht lässt ihm den Atem stocken...FORTSETZUNG FOLGT.
Jedenfalls wünscht ich mir in solchen Nächten schon manchmal einen Not-Aus-Schalter am Karlchen.

13.12.07

Heute war ich mit Karlchen mal wieder im "Spielraum" (Krabbelgruppe, siehe November). Beim ersten Mal waren ja nur wenige Teilnehmer da. Das (zahlenmässige) Verhältnis von mir als einzigem Mann zu wenigen Frauen war also noch in der Nähe von 0,5. Heute ging es eher gegen null - viele Frauen und ich. Toll! Mag sich da mancher denken, aber bei den ersten Bemerkungen der Kursleiterin über die wichtige Rolle der Mütter für die Kinder habe ich mich dann doch fehl am Platz gefühlt.
Aber damit fingen meine Probleme erst an. Zuerst kam wieder das obligatorische Glockenspiel. Das haben Karlchen und ich wieder würdevoll überstanden. Dann sollen die Kinder aber losgelassen werden zum Spielen und da will die strategisch optimale Startposition gefunden werden. Bitte nicht neben die dickliche Otilie, die sabbert immer so eklig rum. Aber auch nicht allein ins letzte Eck. Karlchen soll ja schliesslich seine soziale Kompetenz trainieren, und der Joshua ist schon ganz nett - auch seine Mutter, die kennt Isa schon von der Geburtsvorbereitung. Die sozialen Kontakte wollen ja auch gepflegt werden. Ausserdem soll sich in der Nähe der Startposition das tollste Spielzeug befinden, so dass Karlchen möglichst viel Fun hat. Ich setze ihn also auf die Position meiner Wahl und bereue es im nächsten Moment. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Kleinen sollen ja nicht unnötig beeinflusst werden. Doch wie soll ich Isa erklären, dass ich Karlchen ausgerechnet auf die höchste Matratze gelegt habe, was unweigerlich schwere Verletzungen beim "Abstieg" von derselben zur Folge haben muss? Während ich also der Verzweiflung nahe bin, setzt sich unser Sohn in Bewegung Richtung Abgrund. Er schaut kurz über die Kante, macht einen Robber vorwärts und - rutscht elegant eine Etage tiefer. Der Rest der Stunde zieht wie im Film an mir vorbei.


Der Autor
Der Autor dieses Blogs ist selbst in Elternzeit. Die Akteure sind dennoch frei erfunden und haben höchstens zufällige Ähnlichkeit mit real existierenden Personen.

Die Akteure
Isabella (Isa) und Martin sind seit ungefähr drei Jahren verheiratet. Im Februar 2007 wurde ihr Sohn Karl Friedrich (Karlchen) geboren.
Isa, die Abteilungsleiterin in einer grösseren Firma war, arbeitet seit Karlchens Geburt nicht mehr.
Martin arbeitet bei einem grossen Konzern. Nachdem 2007 das Elterngeld in Deutschland eingerührt wurde, das Paare besonders fördert, bei denen Mutter und Vater in Elternzeit gehen, hat er sich entschieden auch die sogenannten "Vätermonate" zu nehmen.
Karlchen ist das alles ziemlich wurscht. Er möchte essen, schlafen und Spass haben - ungefähr in der Reihenfolge.

12.12.07

Kennt Ihr "Fettes Brot"? Karlchen ist Fan von "Fetter Brei" mit etwas Rapsöl. Manche Vitamine können doch zusammen mit Fetten verarbeitet werden. Ich finde fetten Brei auch ganz gut, weil der nicht so schnell zu so gemeinen Krusten antrocknet. Das macht das Rechnen leichter. Wenn man wissen will, wieviel Karlchen isst, muss man ja von dem was in der Schüssel war, das abziehen, was in seinem Gesicht festgetrocknet ist. Als es mir letztens gelungen ist, Karlchens Gesicht komplett mit einer Art Rauputz zu versehen, hatte ich dann doch den Verdacht, dass hier ein signifikanter Anteil seiner Mahlzeit auf der Strecke geblieben ist.
Mit fettem Brei lässt sich das aber vermeiden, so dass man dann berechnen kann, dass Karlchen mit diversen Breis und Milch ungefähr 1 kg am Tag isst (ohne Wasser, das er noch zusätzlich trinkt). Wenn man dann noch bedenkt, dass ich ungefähr zehnmal soviel wiege wie er, folgt, dass ich pro Tag einen Zehn-Kilo-Kübel Kartoffel-Fenchel-Lamm-Brei essen müsste, um auf die gleiche Menge zu kommen. Ich glaube, jetzt brauche ich erstmal einen Schnaps. Prost.

11.12.07

Heute hat sich unser kleiner Kakadu mal wieder selbst übertroffen. - Vielleicht solltet Ihr diesen Artikel erst nach dem Essen lesen! - Jedenfalls hat er es geschafft innerhalb einer Stunde drei Windeln voll zu machen. Das erinnert mich dann doch wieder an die Firma, wo ja auch manchmal Akkordlöhne eine Rolle spielen. Bei dieser unmenschlichen Taktzeitvorgabe, die Karlchen da macht, überlege ich schwer, einen Betriebsrat zu gründen. Das hat mir keiner gesagt, als ich Elternzeit beantragt habe!
Schließlich will ja nicht nur die Windel gewechselt und fachmännisch entsorgt, sondern auch der Inhalt gründlich untersucht werden. Die vorgefundene Konsistenz beeinflusst Karlchens Menüplan ganz maßgeblich - wenn er das mal wüsste! Sehr fest, böbbelig: Stuhlauflockerndes Obst (man beachte bitte den Fachausdruck) - Birne; cremig pastös: Freie Auswahl; flüssiger Batz: Dann gibt es eher Banane.

10.12.07

Da haben wir also diesen Ausflug zu guten Freunden gemacht, die wir ja schon lange mal besuchen wollten. Am Sonntag hin, einen netten Nachmittag verbringen, und am Montag wieder heim. Spielt im Moment ja keine Rolle; Isa und ich müssen ja beide nicht arbeiten. Und so müssen wir nicht am Sonntagnachmittag fahren, wenn so viel Verkehr ist.
Dafür müssen wir am Montag fahren, wo auch viel Verkehr ist. Dank guter Planung schläft Karlchen erstmal eineinhalb Stunden im Auto. Dann wird bald eine Pause an einer dieser wunderschönen Autobahnraststätten eingelegt, an denen man zusammen mit allerlei wunderlichen Gestalten in einem kleinen (noch), verrauchten und nach Friteusenfett duftenden Raum sitzt und rastet. Für Karlchen sind hier die Hauptattraktionen sein Brei, aber noch mehr der obligatorische Fernseher. Den gibt es daheim natürlich auch, aber hier ist er in Betrieb und die bunten, bewegten Bilder üben eine unwiederstehliche Anziehungskraft aus. Und Karlchens Hals ist fast so beweglich, wie der einer Eule. Es ist also nicht ganz leicht eine Position zu finden, aus der er sich nicht Richtung Flimmerkiste winden kann. Dennoch, bisher verläuft alles nach Plan.
Dann allerdings wird die Sicht auf der Strasse, der Verkehrsfluss und nach kurzer Zeit auch Karlchens Laune schlechter. Zunächst wird der Schnuller in steigender Frequenz in den Mund gesteckt und wieder ausgespuckt. Dann wird ein weiteres Register gezogen: Die Kinderlieder-CD. Die beschert mit lustigen Liedern über Jakob den Zottelbär und die Schnecke, die ei so langsam kriecht, wenigstens für kurze Zeit Ruhe. Das Geschrei jedoch, das bereits in den Zwei-Sekunden-Pausen zwischen zwei Liedern auf der CD einsetzt, lässt erahnen, wie dünn dieses Ruhe-Eis ist. So zähfließen wir also auf dieser dünnen Eisschicht für einige Kilometer dahin und die Gedanken schweifen ab.
Gibt es nicht in Amerika oder irgendwo extra Fahrspuren für Autos, die mit mehr als einer Person besetzt sind, damit die schneller in der Rush-Hour voran kommen? Bei uns sollte es extra Fahrspuren für Autos geben, die mit mindestens zwei Personen, von denen mindestens eine ein schreiendes Kind ist, besetzt sind. Vielleicht wird Karlchen ja mal Verkehrsminister.

09.12.07

"Mund auf, Brei rein." Frei nach Fanta 4: "Es könnt' alles so einfach sein, isses aber nicht." Ist es aber nicht - genau richtig! Das fängt bei "Mund auf" an. Manchmal ist der Mund gar nicht auf, und er geht dann auch nicht auf. Manchmal wird auch fies angetäuscht. Dann ist der Mund auf, in dem Moment aber, in dem der Löffel mit dem Brei fast sein Ziel erreicht hat, wird der Mund blitz schnell geschlossen. Der Brei, von der Trägheit seiner Masse getrieben, platscht dann gegen den geschlossenen Mund - sehr lustig. Manchmal ist der Mund auch offen, allerdings zum Plärren. In diesem Zustand wird allerdings nichts mehr runter geschluckt, das heisst der Mund füllt sich immer mehr mit Brei, bis Karlchen sich verschluckt. Dann platscht der Brei gegen das halbe Wohnzimmer inklusive Einrichtung.
Doch auch wenn der Mund schön aufgesperrt wird, lauern Gefahren. Der ungeübte Fütterer könnte sich verführt fühlen, einen Löffel nach dem anderen in den gierig aufgesperrten Schnabel zu schieben. Alles wird auch gleich am Stück geschluckt und geschluckt und geschluckt, bis dann verständlicherweise der Magen so drückt, dass unsereins nach einem Schnapps verlangen würde. Karlchen fängt an zu schreien und will keinen weiteren Brei mehr.
Zu langsames Füttern ist jedoch auch nicht zu empfehlen, da in diesem Fall die Stillhaltekapazität der jungen Kundschaft sehr schnell erschöpft ist. Das zunehmende Gehample und Gewinde erschwert die Nahrungszufuhr zunächst erheblich, bis sie dann gänzlich unmöglich wird.
Wie schnell es denn sein soll, lernt man wahrscheinlich im dritten Väterlehrjahr.

08.12.07

So, jetzt ist es also bei Karlchen auch schon soweit. Er lernt mehr und mehr Wörter - für seinen passiven Wortschatz. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass er den Eindruck bekommt, eine Menge Dinge hießen "nein" oder "Nein" oder "NEIN" oder "NEIIIIIIIIN". Hält er ein schönes Buch in der Hand, sagen die Eltern "nein". Hat er gerade nach mühsamem Robben quer durch´s Wohnzimmer die Steckdose erreicht, rufen die Eltern - gegebenenfalls im Chor - "NEIN". Hat er endlich in einem unbemerkten Augenblick die Hand bis zu einer Tasse heissen Tees gereckt, ertönt der schrille Schrei "NEIIIIIIIN".
In seltenen Fällen, obwohl er (ER) da auch ein schönes Buch in Händen hält ("Meine allerersten Bilder"), bekommt "ja" zu hören. Aber das ist eher die Ausnahme. Die meisten Gegenstände heissen "nein", der Mülleimer, diverse Kabel, Kerzen, fast alles was auf dem Esstisch liegt und so weiter.

07.12.07

Da gibt es doch diesen Film "Lohn der Angst". Irgendwo brennt eine Ölquelle, und der Brand kann nur durch eine Explosion gelöscht werden. Also machen sich vier Männer mit zwei LKW-Ladungen Nitroglyzerin auf den Weg, der bedauerlicher Weise in eher schlechtem Zustand ist, so dass die Helden an Schlaglöchern etc. mehr als einmal Gefahr laufen in die Luft zu fliegen.
Wer ein Kind, das nach ewigem Gebrüll endlich eingeschlafen ist, im Kinderwagen durch die Gegend schiebt, läuft natürlich nicht Gefahr, in die Luft zu fliegen. Die Folgen einer zu heftigen Erschütterung, eines plötzlichen, lauten Geräusches oder sonst irgendeiner Ungewöhnlichkeit können aber auch unangenehm sein. Es ist also kein Wunder, dass auch dem Kinderwagenschieber hin und wieder Angstschweissperlen auf der Strin stehen.

06.12.07

Heute hat sich Karlchen wieder von seiner besten Seite gezeigt, und das entschädigt für alles, was ein paar Absätze weiter unten zu lesen sein wird.
Am Nachmittag habe ich ein bisschen mit ihm gespielt und gesungen. Ja, ich kann jetzt schon so manch nette Weise zum Besten geben, zum Beispiel das Lied von den Krabbelkäferchen oder das mit der ei so langsamen Schnecke, das mir besonders gut liegt, weil ich ja auch nicht so schnell bin - haha. Jedenfalls hat Karlchen sich richtig gut amüsiert, und ich auch. Dann habe ich ein bisschen am Computer rumgenerdet (vgl. engl. nerd) und Karlchen hat inzwischen zum 153. Mal meine DVD-Sammlung aus dem Regal geräumt (die Musik-CDs, die direkt daneben stehen und genauso aussehen, hat er noch nie angerührt). Als ich mich dann anschliessend noch zu ihm auf den Boden gelegt habe, hat er vor Vergnügen gequietscht, und kam zum Schmusen angerobbt. Und als er dann direkt neben meinem rechten Ohr war, hat er den schrillsten und lautesten Ton von sich gegeben, den ich jemals gehört habe - noch lauter als es damals vor vielen Jahren auf diesem Aerosmith Konzert war, als mir nach vier Tagen die Ohren noch gepfiffen haben. Nach ein paar, sehr flinken Robbern (oder was ist das Äquivalent zu Schritten beim Robben?) hat er mir dann auch noch ins linke Ohr gebrüllt.
War sicher ganz besonders lieb gemeint, aber ich musste doch wieder an die Arbeit denken: Da gibt es doch diese Gebotsschilder Gehörschutz zu tragen - ein Mann mit "Kopfhörer". Und wo wir gerade dabei sind: Es gibt auch Situationen in der Väterzeit, in denen das Tragen einer Gasmaske empfehlenswert sein kann. Ich meine damit aber nicht ausschliesslich das naheliegende Wickeln. Wer schon mal getrocknete Kleinkinderkotze gerochen hat, kann die Idee vielleicht nachvollziehen.

05.12.07

Ich habe es getan. Ich bin rückfällig geworden. Ich konnte mich einfach nicht beherrschen, und es war zumindest teilweise kein tolles Erlebnis.
Ich sitze also morgens im Auto. Das Radio läuft; gerade noch schnell die Nachrichten hören. Man will ja mitreden können, was so los ist in der Welt. Schon biege ich auch in die Einfahrt ab, vorbei am glänzenden Firmenlogo. Sssst lässig das Fenster runterlassen und mit dem Firmenausweis die Schranke geöffnet - ein tolles Gefühl. In der Tiefgarage den Organizer unter den Arm geklemmt, mit den wichtigen Dokumenten, die meine Anwesenheit in der Firma rechtfertigen. Die Bescheinigung von der Versicherung muss schliesslich dringend in die Personalabteilung und, wenn ich die Empfangsbestätigung für die neue Kreditkarte nicht zurück faxe, funktioniert sie nicht. Also, schnell ins Büro. Aber am Ausgang der Tiefgarage platz die Seifenblase. Der Kartenleser fiept erbärmlich und zeigt die hässliche, rote Lampe "Ausweis ungültig". Schon weniger frohen Mutes mache ich mich also auf den Umweg zur Pforte, wo ich natürlich auch eingestehen muss, dass ich im Moment ja gar kein richtiger Mitarbeiter der Firma mit dem glänzenden Logo bin, sondern in Elternzeit. "Ja dann ist doch klar, dass Ihr Ausweis gesperrt wird." - Super - "Ich gebe Ihnen einen Sonderausweis, damit Sie KURZ in Ihr Büro können." - Super, super; soweit ist es also schon.
Jetzt hoffe ich also mal, dass der dadurch hervorgerufene Heilungseffekt lang anhält, damit mir ähnliche Schmach für den Rest der Vätermonate erspart bleibt.

04.12.07

Langsam wird es wirklich stressig. Das Elternzeit nichts mit Urlaub zu tun hat, war mir ja schon vorher irgendwie diffus klar. Inzwischen ist mir auch deutlich klar, dass es einfach einen grossen Teil der 24h eines Tages in Anspruch nimmt, ein neun Monate altes Kind zu versorgen.
Erschwerend kommt allerdings noch dazu, dass wahrscheinlich jeder Normalarbeitnehmer mit (im Vergleich zu anderen Ländern schon luxuriösen) 30 Tagen Urlaub im Jahr denkt, dass zwei Monate ohne Arbeit eine Ewigkeit sind. Von diesem Gedanken ist es dann auch nicht mehr weit zu allerhand Plänen, wie diese Ewigkeit denn zu füllen wäre. Diese Plänen werden also geschmiedet trotz der diffusen Ahnung, die oben beschrieben ist. Man nimmt sich also vor sämtliche Freunde zu besuchen, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat, die Steuer zu machen, sämtliche Versicherungsverträge zu prüfen (vielleicht braucht man ja garnicht alles und kann irgendwo was sparen), die Altersvorsorge sollte ja auch schon ewig mal auf Vollständigkeit geprüft werden und, weil man ja eh kaum was zu tun hat und das ja eine einmalige Zeit im Leben ist, sollte man auch ein Blog drüber schreiben. Weihnachten mit Geschenken und Besuchen läuft ja eh von allein, wenn man soooo viel Zeit hat.
Das Ergebnis: Gewaltiger Frust, wenn man plötzlich merkt, dass man statt einer etwas ruhigeren Zeit mit der Familie plötzlich mehr Stress hat, als im "normalen" Leben. Also jetzt mal Schluss mit lustig und ein ernsthafter Rat an Nachahmer: Nehmt Euch also nicht zu viel vor.

03.12.07

"So, dann wiederholen Sie bis zum nächsten Mal die Übungen, die ich Ihnen gezeigt habe - am besten jeden Tag so mindestens 10 Minuten.". Mit ungefähr diesen Worten verabschiedet uns die Physiotherapeutin nach unserem ersten Besuch mit Karlchen. Irgendwie muss die Frau fünf Arme haben. Ich jedenfalls schaffe es nicht wirklich, Karlchens Beine anzuwinkeln, die Knie im richtigen Abstand zueinander zu halten und Karlchen dann von links zu bespassen, wobei er bitte aber noch in der richtigen Lage auf einem Kissen liegen soll, dass ständig wegrutscht. Der Ringkampf zwischen Vater und Sohn, der aus diesen Anweisungen automatisch folgt, erfüllt wahrscheinlich nicht direkt die Vorstellungen der Therapeutin von einer entspannten und ruhigen Atmosphäre. Naja, Hauptsache Spaß macht´s.

02.12.07

Ein weiteres Problem der Vorweihnachtszeit ist inzwischen gelöst. Mit was wird der Adventskalender eines neun Monate alten Gerade-nicht-mehr-Säuglings gefüllt - MÄÄP: Schokolade und Marzipan sind falsche Antworten.
Da gibt es also diesen netten, hölzernen Weihnachtsmann mit den vielen (23,5) Türen im Bauch. Gleich bei der ersten Begegnung hat Karlchen den lustigen Zeitgenossen umgeschmissen, was an der ersten Türe nicht ganz spurlos vorübergegangen ist. Also, was soll hinter die Türen gepackt werden? Für Karlchen bietet der Adventskalender jetzt jeden Tag die gleiche Überraschung, was der Spannung aber wahrscheinlich keinen Abbruch tut. Die sicher allen Eltern wohl bekannten Vitamin-D-Tabletten verbergen sich jetzt 24-mal hinter den kleinen Holztürchen, bevor sie dann später wieder aus dem Blister kommen.

01.12.07

Jetzt beginnt also die besinnliche Weihnachtszeit. Da stürzen wir uns doch gleich ins Getümmel des noch jungen Weihnachtsmarktes. Eigentlich soll die Ausfahrt im Kinderwagen ja Karlchens Mittagsschlaf befördern, doch beim ersten Klingeln irgendeines Karussels klappen zwei grosse Kinderaugen auf und das war´s dann mit dem Mittagsschlaf - vielleicht war es auch der ungewohnte Duft nach gebrannten Mandeln und Glühwein. Naja, wäre vielleicht auch etwas viel verlangt, in dieser Umgebung zu schlafen.
Die weitere Fahrt über den Markt wird dadurch erschwert, dass auch die Wendigkeit unseres Super-Kinderwagens mit lenkenden Vorderrädern irgendwann nicht mehr ausreicht, den Slalom zwischen Glühwein trinkenden Menschen zu absolvieren.
Ausserdem beugen sich immer wieder diverse Leute, meist älteren Semesters mit glücklich beseeltem Lächeln über den Wagen, manche winken, viele machen "lustige" Geräusche, die meisten können sich beherrschen und grabschen nicht nach dem süssen Kleinen. Bei dieser Gelegenheit kommt mir die Idee, Karlchens Mütze oder Jacke als Werbefläche zu verkaufen - für Gebissreiniger oder vielleicht auch Eierlikör wäre das sicher absatzfördernd.



 

Seite toll? Klick Yigg!

Mein Shirt-Shop