Was hältst Du von den Vätermonaten?








Poll plugin by MMG

November 07

Kommentare zu diesem Blog

30.11.07

Apropos schwarzer Gürtel, ich habe einen neuen Griff beim Wickeln erfunden. Wickeln hat nämlich auch was von Kampfsport. Karlchen biegt und windet sich, während ich versuche ihm die alte Windel aus und eine neue anzuziehen. Der Griff: Karlchen liegt auf dem Bauch und spielt an irgendwas rum. Ich kann in Ruhe die frische Windel auf seinem Hintern platzieren. Halte sie mit der linken Hand fest, während ich Karlchen mit der rechten Hand schnell umdrehe. Die folgende Verwirrung nutze ich, um schnell eines der Klebebündchen zu fixieren. Dann schnell ein Spielzeug vor die Nase halten und die Überraschung nutzen, um das zweite Bündchen zu befestigen. Funktioniert und sollte mir, sagen wir, den blauen Gürtel bringen.

29.11.07

Heute gab es ein besonders einschneidendes Erlebnis für den motivierten Elternzeit Vater. Da war diese Nachbarin. Aber von vorn.
Wir, die ganze Familie, machen uns gerade auf den Weg in die Stadt - mit Kinderwagen und so (diesmal ohne Bus), als eine Nachbarin auf uns zukommt, einen interessierten Blick in den Kinderwagen wirft und die folgende Unterhaltung mit den Worten "Ja, ein Kind groß zu ziehen, ist schon eine schwere Aufgabe" beendet. Soweit kein Problem, nur, dass ich dabei keines Blickes gewürdigt werde. Es ist ganz klar. Diese schwere Aufgabe lastet allein auf den Schultern der Mutter. Die Bewältigung ist allein Verdienst der Mutter. Tja, man hat es nicht leicht als Vater...
Aber mal im Ernst. Inzwischen ist mir schon etwas klarer, worin eigentlich mein Problem in den ersten Tagen der Elternzeit bestand. Ich dachte, eigentlich die wesentlichen Punkte des Eltern-Seins schon zu beherrschen. Ich konnte Windeln wechseln, Brei anrühren und füttern, Karlchen baden und so weiter. Was ich dabei nicht sah, war die Tatsache, dass es eine Sache ist, einzelne Teilaufgaben zu erledigen, oder den Überblick üder die notwendigen Verrichtungen eines ganzen Tages zu behalten. Also, wann wird gewickelt, wann gefüttert, wann muss also der Brei gemacht werden, wie lange soll geschlafen werden. Wenn ich irgendwo hingehen will, wann kann ich das tun, damit Karlchen ausgeschlafen und nicht mehr aber auch noch nicht wieder hungrig ist. Nochmal schwieriger ist es dann den Überblick auch über mehrere Tage zu behalten, so dass auch Material da ist, aus dem man Brei machen kann, oder dass es auch Windeln gibt, in die das Kind gewickelt werden kann. Das ist dann der schwarze Gürtel.

28.11.07

Heute war Karlchen mal wieder richtig toll drauf. Er war lustig, ist quer durchs Wohnzimmer gerobbt - voller Körpereinsatz, immer sehr zielstrebig, auch wenn uns Eltern das Ziel nicht immer ganz klar ersichtlich ist. Doch dann, plötzlich kippt die gute Laune und die Aktivität nimmt rapide ab. Dann liegt da plötzlich ein quengelndes, kleines Wesen - hundemüde. Das erinnt dann schon stark an diesen Werbespott für Batterien, mit den rosa Häschen, die so munter vor sich hin trommeln, bis ihnen plötzlich der Saft ausgeht. Naja nach einem kleinen Nickerchen und einer Portion Brei ist unser rosa Häschen wieder fit und trommelt weiter.


Der Autor
Der Autor dieses Blogs ist selbst in Elternzeit. Die Akteure sind dennoch frei erfunden und haben höchstens zufällige Ähnlichkeit mit real existierenden Personen.

Die Akteure
Isabella (Isa) und Martin sind seit ungefähr drei Jahren verheiratet. Im Februar 2007 wurde ihr Sohn Karl Friedrich (Karlchen) geboren.
Isa, die Abteilungsleiterin in einer grösseren Firma war, arbeitet seit Karlchens Geburt nicht mehr.
Martin arbeitet bei einem grossen Konzern. Nachdem 2007 das Elterngeld in Deutschland eingerührt wurde, das Paare besonders fördert, bei denen Mutter und Vater in Elternzeit gehen, hat er sich entschieden auch die sogenannten "Vätermonate" zu nehmen.
Karlchen ist das alles ziemlich wurscht. Er möchte essen, schlafen und Spass haben - ungefähr in der Reihenfolge.

27.11.07

Da sind wir also heute in die Stadt gegangen - zu dritt. Heim sind wir dann noch zwei Stationen mit dem Bus gefahren, und das war dann auch wieder so eine Geschichte. Da gibt es an diesen Bussen eine Taste, die man drücken kann, damit die Türe nicht so schnell wieder zu geht und damit der Fahrer weiß, dass jemand mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl einsteigen will. Dann senkt er den Bus etwas ab, damit das Einsteigen leichter geht. Soweit die Theorie. Isa drückt also hinten am Bus auf den Knopf, während ich vorne beim Fahrer einsteige, um Fahrkarten zu kaufen. Als sich der Bus nicht bewegt, bittet Isa den Fahrer, doch bitte abzusenken, worauf der meint, sie solle sich doch nicht so anstellen, andere Leute könnten doch auch einsteigen usw.. So entspinnt sich also ein fröhlicher Austausch von Nettigkeiten, in dessen Verlauf ich Isa kaum mehr wiedererkenne.
Anscheinend ist die Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr mit Kinderwagen (Baby an Bord) der Durchsetzungsfähigkeit gegenüber schwierigen Verhandlungspartnern sehr zuträglich. Ein weiterer positiver Aspekt, den ich nach der Rückkehr aus der Elternzeit meinem Chef toll verkaufen kann.

26.11.07

Heute gab es wieder viel zu lernen, obwohl ich angeblich jetzt schon im zweiten Lehrjahr sei. Thema: Gemüse
Ich habe gelernt was der Unterschied zwischen guten und bösen Bananen ist. Die schönen, grossen Bananen sind böse und die kleinen, nicht so schönen sind die guten Bio-Bananen. Karlchen glaubt sicher, dass Bananen eher braun als gelb sind. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass sie zusammen mit den Äpfeln im Obstkorb lagen. Die Äpfel dünsten nämlich ein Gas aus, das Bananen braun macht - mhm. Seit ich das weiss, binde ich die Tüte mit den Äpfeln immer an, sonst fliegt sie noch eines Tages davon.
Ah, Test bestanden: Äpfel und Bananen sind gar kein Gemüse!
Eine andere wichtige Frage tauchte im Lauf des Tages auf, konnte aber bisher nicht beantwortet werden - auch nicht von der Frau Generaldirektor Isa. In der Werbung für Höschenwindeln (das ist, glaube ich, der Fachausdruck für Pampers und Co.) ist doch immer von den wiederverschließbaren Klebebündchen die Rede. Die Frage ist nur, wie oft man die wiederverschließen kann, bevor sie irgendwann doch nicht mehr pappen. Das Risiko, das mit einem sich im Betrieb lösenden Klebebündchen verbunden ist, ist schliesslich beträchtlich. Da hilft es dann auch nicht mehr, wenn man das Teil dann anschliessend wiederverschließen kann.

25.11.07

Auch an diesem Tag gibt es wieder eine Premiere. Ich gehe nachmittags zum Kaffee zu Freunden, ein ehemaliger Kollege mit seiner Frau und zwei Kindern (knapp 1 und 4). Hört sich erstmal nicht so aufregend an. Aber dann wird mir plötzlich bewusst, dass es eben eine Premiere ist. Klar, ich habe Karlchen schon im Kinderwagen um den Block geschoben oder war mit ihm beim Einkaufen. Aber ein paar Stunden allein mit ihm, nicht daheim, das gab es vorher noch nicht.
Und siehe da, was man früher schon bei Treffen mit anderen Eltern, insbesondere Müttern, messerscharf diagnostiziert hat, gilt jetzt auch für mich: Eine längere, zusammenhängende Konversation kann kaum mehr stattfinden. Ständig buhlt der liebe Kleine um meine Aufmerksamkeit, oder er bekommt sie ohne darum zu buhlen. Karlchen quäkt - wird auf den Arm genommen, er kriegt zermatschte Banane, er macht sich an der Stereoanlage der Gastgeber zu schaffen - wird wieder davon weggezerrt, und so weiter.
In den Augen meines ehemaligen Kollegen kann ich eine Mischung aus Neid (zwei Monate Urlaub) und Mitleid (das Weichei muss den ganzen Tag Bananen zermatschen, um sie nachher dem Baby wieder vom Hintern zu wischen) erkennen. Seine Frau beneidet eher meine Frau - "Siehst Du! Der macht wenigstens was. Du peilst ja noch nicht mal, dass unsere Vierjährige keine zermatschte Banane mehr braucht." Trotz des vorhandenen Konfliktpotenzials ist es ein netter Nachmittag, aber abends kann ich keine Bananen mehr sehen.

24.11.07

Heute ist Karlchen nicht gut drauf. Das heisst er war gut drauf, vormittags. Nach einem etwas kurzen Mittagsschlaf - er hat geschlafen, nicht ich - ist Er dann grätig. Er will nicht am Boden rumrutschen. Auf meinem Schoß sitzen und mit mir den Wirtschaftsteil der Zeitung lesen will Er auch nicht. Trinken will ER nicht. ER führt sich auf, wie der Tyrannosaurus persönlich, mit Windeln! Es dauert also etwas, bis ich herausfinde, dass ER Musik hören und von mir durchs Wohnzimmer getanzt werden will. Toll, das will ich aber nicht den ganzen Nachmittag. Gegen Abend renken wir uns dann wieder ein, und er geht brav ins Bett.

23.11.07

Heute wird es also ernst. Isa geht zur Arbeit und überlässt uns für volle sechs Stunden unserem Schicksaal + Fahrzeit + eine halbe Stunde, weil ich (wir) schon früher zum Spielraum (siehe 22.11.) los müssen.
Die Begrüssung mit dem Glockenspiel überstehen wir würdevoll. Ich kann mich beherrschen und Karlchen ist offensichtlich ein richtiger Glockenspiel-Groupie (geht das überhaupt oder sind Groupies immer Mädels?). Dann allerdings schlägt erbarmungslos die Müdigkeit zu, was dazu führt, dass Karlchen kaum unersetzliche Erfahrungen sammeln kann an diesem Vormittag. Ich dagegen sammle Erfahrungen, wie man ein übermüdetes Kind bei Laune hält und gleichzeitig noch ein paar schlaue Sätze für die Allgemeinheit zu formulieren.
Auf dem Heimweg von dieser interessanten Veranstaltung schläft Karlchen auch sofort ein. Noch bevor ich den Wagen gewendet habe, ist er ins Land der Träume entfleucht. Daheim habe ich es mit etwas akrobatischem Geschick sogar geschafft das schlafende Kind in demselben Zustand aus seiner Jacke und in sein Bett zu verfrachten. Der Lohn: Mindestens eine Stunde für MICH!
Oder meinen Arbeitgeber! Wie unter 09.11. beschrieben, gab es da ja noch Aufgaben, die auch nach Beginn des "Urlaubs" noch zu bearbeiten waren. Ich fahre also den Rechner hoch, telefoniere ein bisschen, bis ich weiss, dass tatsächlich noch ein wichtiges Thema zu klären ist - mit einem der Öberen in unserer Firma. Ich überlege mir also schon mal was da zu sagen ist, und rufe dann den Herren Direktor an. Und? Genau - nach einer halben Minute tönt gellendes Geschrei aus dem Kinderbett. Nach einer etwas nervösen Bemerkung meinerseits meint mein Gesprächspartner, er habe sich schon gedacht, dass es sich nicht um meine Kollegen handelt. Nach kurzer Pause folgte dann noch der freundliche Tipp, es doch mit Füttern zu versuchen. Das helfe fast immer. Es hat geholfen und Karlchen war wieder gut drauf.

22.11.07

Um 6:00 Uhr meldet sich unser kleiner Bio-Wecker. Heute wird es fast ernst - Isa ist noch daheim, aber ansonsten muss ein normaler Tag bewältigt werden. Wir schlängeln uns zwischen Windeln, Brei, Spielzeug, Fläschchen durch den Tag.
Nur gegen Abend wächst dann doch die Nervosität, denn morgen steht Grosses an:
1. Mama geht zur Arbeit
2. Karlchen und ich gehen zum "Spielraum" (so nennt man heute eine Krabbelgruppe)
Ich erhalte noch letzte (oder vorletzte) Instruktionen: Adresse, Name der Kursleiterin, "Nimm dicke Socken mit, weil man da die Schuhe ausziehen muss. Man darf da nicht reden, nur die lieben Kleinen beobachten. Leg' ihn nicht neben ein schniefendes Kind und auch nicht neben das eklige, das immer so viel rum sabbert. Und lach nicht bei der Begrüssungzeremonie mit dem Glockenspiel!" - könnte schwierig werden...

21.11.07

Auch dieser Tag zählt noch nicht wirklich was die Erfahrungen aus dem angeblich so entbehrungsreichen Vollzeit-Vater-Dasein angeht - nachmittags kommen Opa und Oma zu Besuch. Da ist für gute Unterhaltung des Nachwuchses gesorgt und der Vater hat keine Probleme, den Junior bei Laune zu halten.
Aber bis es soweit ist, bekomme ich doch schon einen ersten Eindruck von meiner Stellung in der Elternzeit. Morgens erhalte ich zunächst das Recht selbst auszusuchen, was Karlchen anziehen soll - repräsentativ (für den Besuch) und bequem (damit das Kind auch Kunststückchen machen kann). Ich fühle mich geadelt, schliesslich ist diese Entscheidungsbefugnis eigentlich nur mit einer Prokura zu vergleichen. Hoch motiviert mache ich mich ans Werk. Meine Auswahl trifft auf Isas Zustimmung - meine Stimmung steigt weiter. Der Höhenflug wird jedoch jäh beendet - sowas wie ein Absturz - als ich Karlchen die Strumpfhose verkehrt herum anziehe (mit den Füssen nach hinten?!). Die Prokura ist ratz fatz wieder weg und ich bin um 1. Vater-Lehrjahr zurück.
Um dem falschen Eindruck gleich vorzubeugen. Es ist nicht so, dass ich überhaupt keine Ahnung hätte. Ich kann ihn wickeln, füttern, Brei machen, Flasche machen usw. die Herausforderung liegt in der Koordination aller dieser Tätigkeiten. Es ist ja auch nicht so toll, wenn einer beim Autofahren nur lenken kann, aber nicht gleichzeitig zu bremsen in der Lage ist.
Und ja, unser Sohn trägt Strumpfhosen!

20.11.07

Heute kommen wir aus dem Urlaub zurück. Obwohl ich ja bisher noch nicht wirklich im Dienst war, habe ich schon einen ersten Vorgeschmack bekommen, was mich erwartet.
Als Büro-Mensch mache ich mir die Hände ja nicht zu oft dreckig. Also ist das Waschen derselben höchstens nach dem Besuch der Toilette und vor dem Essen erforderlich. Jetzt muss ich mir plötzlich dauernd die Pfoten waschen - nachdem er "die Toilette besucht hat", bevor er isst, nachdem er das Essen wieder ausgekotzt hat und so weiter. Die Folgen sind echt fies: meine zarten Händchen werden rissig und spröde. Ich mache mich also heimlich an Isas Handcreme heran, um meine ledierten Gliedmassen zu pflegen.




 

Seite toll? Klick Yigg!

Mein Shirt-Shop